SPD Niestetal

Ausblick auf 2020 bei der SPD Niestetal – gelungener Start mit aktuellen Themen

Ortsverein

Dr. Werner Weißenborn und Silvia Nolte begrüßten zahlreiche Gäste und Mitglieder zum Neujahrsempfang des SPD Ortsvereins und moderierten einen gelungenen kurzweiligen wie informativen Abend am Puls der Zeit. Begleitet wurde die Veranstaltung von der Musikschule Söhre-Kaufunger Wald.

Dr. Werner Weißenborn
Silvia Nolte
Marcel Brückmann

Bürgermeister Marcel Brückmann blickte zurück auf das Jahr 2019 mit seinen zentralen Herausforderungen, u. a. die Haushaltskonsolidierung und das Hochwasser an der Nieste in Sandershausen. Die Gemeinde schaue jetzt vorsichtig optimistisch nach vorne und werde sich im neuen Jahr den großen Bauvorhaben siebte Kindertagesstätte und Errichtung des Hallenbades samt Möglichkeiten, die der Fernwärmeanschluss – auch für Private – biete, widmen. Hinzu kommen die Planungen für eine achte Kindertagesstätte in Niestetal und die Weiterentwicklung des Sandershäuser Bergs in interkommunaler Zusammenarbeit. Neben der Umsiedlung der Firma Winkler böten sich Chancen für weitere, auch kleinere Gewerbebetriebe, zur Ansiedlung. So sei es möglich, attraktive Arbeitsplätze im Landkreis Kassel zu halten bzw. zu schaffen. Weiterhin seien an allen Schulen Niestetals in den kommenden Monaten und Jahren Sanierungs- bzw. Erweiterungsarbeiten vorgesehen. Die Firma Goetel plane zudem, die Ortsteile mit zukunftsfähigen schnellen Internet-Glasfaseranschlüssen zu versorgen. Die Gemeinde starte demnächst Veranstaltungen zum Projekt „Unser bestes Niestetal“ zum Ehrenamt, zur Nachbarschaftshilfe und zu Verkehrsthemen. Niestetal wolle außerdem Solargemeinde werden und plane, mit Aktionen zum Klimaschutz vom Kindergartenkind bis zum Landwirt alle mitzunehmen.

„Ich freue mich, wenn möglichst viele in Niestetal gemeinsam und optimistisch in die Zukunft blicken. Die Gemeinde bietet zahlreiche Möglichkeiten, gestaltend am Gemeinwesen mitzuarbeiten, eine lebenswerte Umgebung zu erhalten und weiterzuentwickeln. Mit Blick auf die Kommunalwahl im Frühjahr 2021 appelliere ich an die Niestetalerinnen und Niestetaler, sich weiter in der Gemeinschaft zu engagieren, die niemanden ausgrenzt!“, so Marcel Brückmann.

Ana Viehmann

Ana Viehmann, Schulleiterin, und Walter Dedecke, Vorsitzender der SKG, dankten in ihren Grußworten für die Gelegenheit des Dialoges. Sie wiesen dabei auf die aktuelle gesellschaftliche Situation hin, die Demokratie, Frieden und Freiheit gefährde. Ana Viehmann erinnerte an die am jüngsten hessischen Verfassungstag für Verdienste an der demokratischen Gesellschaft und ihre Einrichtungen postum an den ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübke verliehene Wilhelm-Leuschner-Medaille. Sie zeichnete den Lebensweg des Namensgebers von Schule wie der höchsten hessischen Auszeichnung nach. Als Gewerkschafter und sozialdemokratischer Politiker habe Wilhelm Leuschner im Widerstand gegen den Nationalsozialismus gekämpft und sei nach dem 20. Juli 1944 hingerichtet worden. Sie unterstrich die besondere Rolle und Verantwortung der Schule an der Erziehung der kommenden Generationen in Deutschland zu gut denkenden und handelnden Menschen. Grundlage dafür sei die Lissabon Strategie der EU-Kommission aus dem Jahre 2005. Zu deren Bildungszielen zähle selbständiges Handeln, Problemlösung anhand moderner Kommunikation, als heterogene Gruppe erfolgreich handeln können.

„Die Wilhelm-Leuschner-Schule ist eine integrierte Gesamtschule und setzt die Erziehung der Schüler zu gut denkenden und handelnden Menschen nach Kräften um. Sie erzieht, neben dem Augenmerk auf die Hauptfächer, zu demokratischer Toleranz. Die Institution Schule kommt in diesen digitalen Zeiten, geprägt durch hohen Leistungsdruck, an ihre Grenzen. Sie ist dringend darauf angewiesen, dass auch außerhalb der Familien und Schulen in Vereinen und Freizeitgruppen sprachlichen Entgleisungen und Verunsicherungen, gerade in der Pubertät, durch das Teilen der demokratischen Werte entgegengewirkt wird. Nur so ist der Frust, der für einfache Antworten anfällig macht, zu bekämpfen!“ appelliert Ana Viehmann an die Anwesenden.

Walter Dedecke
Walter Dedecke

„Über Jahrzehnte ist in Niestetal gute Arbeit geleistet worden. Niestetal ist zusammengewachsen und bietet seinen Vereinen und Verbänden alles, was gebraucht wird. Es gilt jetzt, die wertvolle Infrastruktur im besten Sinne zu nutzen. Ich appelliere an das Miteinander und angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen für das gemeinsame entschiedene Eintreten gegen Hass und Hetze, Drohungen und Gewalt“ gibt Walter Dedecke für das Jahr 2020 mit auf den Weg.

Thomas Rudloff

Thomas Rudolff, Bereichsleiter Kommunikation und IT sowie Chefvolkswirt der IHK Kassel-Marburg, überbrachte die Wünsche des IHK Präsidenten Jörg Ludwig Jordan und der Hauptgeschäftsführerin Sybille von Obernitz.

Neben der Unternehmenskommunikation obliege ihm als Chefvolkswirt der IHK auch die volkswirtschaftliche Beobachtung. Aktuell sei die wirtschaftliche Lage noch geprägt durch eine sehr gute Beschäftigungslage, die die Binnenkonjunktur nach wie vor stärke. Neben Unsicherheiten aufgrund der derzeitigen Handelspolitik und den geopolitischen Risiken beschäftige die Wirtschaft die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung in hohem Maße. Dadurch veränderten sich die Vorzeichen in der Leitbranche Deutschlands, der Industrie deutlich.

Die Automobilindustrie mit ihrer besonderen Bedeutung in der Region (17.000 Arbeitsplätze bei VW, 3600 bei Conti und 3000 bei Daimler) befinde sich durch Regulatorik, Wechsel der Antriebsarten, geändertes Kundenverhalten (sog Greta-Effekt), ihre Wachstumsabhängigkeit und die fortschreitende Digitalisierung in einem großen Umbruch. Weltweit belaufe sich der Absatzrückgang auf fünf Prozent. Hinzu kämen konkurrierende Mobilitätsangebote.

Digitale Effekte, veränderte Märkte wie veränderte Arbeitsformen träfen jedoch auch andere Branchen. Auch im stationären Handel sei Abkühlung durch weniger hohe Zuwachsraten und den konkurrierenden Internethandel zu verzeichnen.

Im Ergebnis sei kein hoher Beschäftigungsaufbau mehr zu erwarten. Auf Nordhessen kämen durch die zu erwartenden massiven Veränderungen in der Leitindustrie enorme Herausforderungen zu.

„Ich wünsche der Gemeinde Niestetal eine glückliche Hand und viel Erfolg! Die SPD habe ich in der Vergangenheit oft als Partei des ökonomischen Sachverstandes kennengelernt. In den vor uns liegenden Monaten und in den nächsten Jahren gilt es aufgrund der auf uns zukommenden großen Veränderungen, die Ökonomie in der Politik in den Mittelpunkt zu stellen. Ich rufe alle Beteiligten auf, diesen Prozess gemeinsam positiv zu begleiten.“

Andreas Lukesch

Unter dem Titel „Zwischen Krise und Aufbruch im digitalen Zeitalter – Die neue Rolle der Medien“, zeichnete Andreas Lukesch, Chefredakteur der HNA, die Entwicklung im Printjournalismus seit Einführung der ersten Online-Portale für Nachrichtenmeldungen nach. Vieles von dem, was heute über digitalen Medienkonsum, über Filterblasen in sozialen Netzwerken zum Medienverhalten – besonders der jüngeren Nutzerschaft konstatiert werde, habe es schon immer gegeben. Hinzugetreten seien zwei wesentliche Faktoren: die Auswüchse und Geschwindigkeit. In den Anfangsjahren seien – mit aus heutiger Sicht erstaunlichen Bewertungen der Entwicklungen – journalistische Inhalte gratis ins Netz gestellt worden, ohne weitere Erlös- oder Vermarktungsstrategien in Betracht zu ziehen. Erzeugt worden sei im Ergebnis eine Gratismentalität der Nutzer der ersten Stunde.

Heute seien eher die Jüngeren bis 30 Jahre bereit, für digitale Inhalte zu zahlen.  Gratis-Nachrichteninhalte im Netz vemarkteten sich ausschließlich über Klicks, also über Reichweite. Aber auch wer Gratis-Angebote nutze, zahle immer auch mit seinen Daten.

Werbeetats großer Anzeigenkunden gehen zum Großteil an Online-Seiten, in soziale Netzwerke und an die Influencer auf Youtube. Letztere garantierten je nach Produkt Wirkungsgrad, wenig Streuverlust und niedrige Zugangshürden.

„Es muss festgestellt werden, dass der Journalismus durch diese Entwicklungen nicht mehr als eine Dienstleistung angesehen wird, die einen eigenen Wert besitzt. Lange war der journalistische Wettbewerb ein demokratischer und selbstverantworteter. Heue übersehen wir allzu leicht, dass nicht der Journalismus im Einvernehmen mit Gesellschaft und Politik die Regeln schreibt, sondern dass die von Facebook, Google und Co. diktiert werden. Zu den Auswüchsen der medialen Digitalisierung gehört, dass Parteien und Presse von einer sich zunehmend professionellen und lautstärker äußernder Wutgemeinde im Netz und auf der Straße für ihre „Systemrelevanz“ attackiert werden. Und dies längst nicht mehr im Schutz der Anonymität. Presseschelte ist hoffähig geworden und Verschwörungstheoretiker bestimmen die Debatte. Was können wir dagegen tun? Sichtbar werden, wie etwa bei der Demo im Juni 2019 nach der Ermordung von Dr. Walter Lübke", sagt Andreas Lukesch.

"Der Lokalreporter wird in der Zukunft zum Moderator einer Entwicklung, er bereitet das Forum der Mitbestimmung. Das wird durch die Digitalisierung befördert werden. Nur wenn die Medien die begleitende Rolle einnehmen, können sie weiter den Mächtigen auf die Finger schauen, Missstände aufdecken und eine tragende Säule der Demokratie sein. Wir werden als Tageszeitungen in Zukunft Geschäftsmodelle entwickeln, bei denen die Kunden für ein attraktives individuelles Angebot zahlen und wir uns vom Überangebot des Medienrauschens absetzen können."

"Hoffnung", so Andreas Lukesch, "macht die Jugendinformationsstudie des Medienpädagogischen Forschungsverbandes Südwest, nach der die wichtigsten Informationsquellen, zu denen 12- bis 19-Jährige in Deutschland das größte Vertrauen haben, Tagesschau, Tageszeitung und öffentlich-rechtlicher Rundfunk sind.  77 Prozent der Zielgruppe haben großes Vertrauen in die von vielen schon totgesagten regionalen Printmedien. Jetzt müssen wir sie nur noch dazu bewegen, sie zu lesen!“

 
 

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